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Für mich ist bis heute nicht durchschaubar wie sich diese positive Dynamik wendete und eine Stimmungsänderung immer mehr durchsickerte. Die österreichische Regierung wurde zur Vorreiterin in Europa bei dem Thema  Schließung der Balkanroute und Bauen von Zäunen. Sie begann damit Menschen zu verunsichern und eigenartige Darstellungen der Kriminalstatistik zu veröffentlichen um Obergrenzen festzulegen.

Am Heiligen Abend 2020 klopfte es gegen 15 Uhr an unsere Haustür. Draußen standen Masar, Ali und Jehnne (unsere ehemaligen Nachbarn, geflohen aus dem Irak) – mit einem Geschenk und wünschten uns Frohe Weihnachten. Sie waren 70 km gefahren, um ihren Freundinnen und Freunden in Kiblitz ein frohes Fest zu wünschen.

Besonders gerne erinnere ich mich an ein Sommerfest im Pfarrgarten – dabei wurden die unterschiedlichsten Speisen aus verschiedenen Ländern serviert, viel geplaudert, gelacht und getanzt. Es gab auch sehr nette Treffen mit den Frauen und Kindern, z.B. am Spielplatz.

Wieder würde ich genauso handeln. Erst zuhören, dann urteilen. Lebensentwürfe mussten komplett neu geschrieben werden. Chemie stimmt, Freundschaften entstehen. Offene Arme empfingen verzweifelte Menschen. Medien können unsere Meinung beeinflussen. Erinnerungen, die uns niemand mehr nimmt.

Als 2016 in meiner Deutschgruppe die ersten Flüchtlinge ihre negativen Bescheide bekamen, konnten sie sich nicht mehr konzentrieren, waren ständig müde, angsterfüllt und traurig.
So nahmen mein Mann und ich Dawood und Allahyar, zwei Freunde, mit in die romantische Erlaufschlucht, sie genossen es und waren dankbar. Im Winter wanderten wir von Alland nach Heiligenkreuz. Es war eiskalt und der Schneesturm prickelte im Gesicht, aber keiner jammerte, auch das gefiel ihnen.

Dawood schrieb Gedichte. Über 80 waren es. Er tat sich nicht leicht mit Deutsch, nur drei konnte ich mit ihm gemeinsam übersetzen. Ich fand niemanden, der bereit war und der es konnte, sie ins Deutsche zu übertragen. Aber ich suchte für diese drei Fotos, die dazu passten und gestaltete ein Büchlein für ihn, es war Ansporn für ihn, Deutsch besser zu lernen und er konnte uns so seine Gefühle, seine Gedankenwelt vermitteln und fühlte sich von uns verstanden. …