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Für mich ist bis heute nicht durchschaubar wie sich diese positive Dynamik wendete und eine Stimmungsänderung immer mehr durchsickerte. Die österreichische Regierung wurde zur Vorreiterin in Europa bei dem Thema  Schließung der Balkanroute und Bauen von Zäunen. Sie begann damit Menschen zu verunsichern und eigenartige Darstellungen der Kriminalstatistik zu veröffentlichen um Obergrenzen festzulegen.

Am Heiligen Abend 2020 klopfte es gegen 15 Uhr an unsere Haustür. Draußen standen Masar, Ali und Jehnne (unsere ehemaligen Nachbarn, geflohen aus dem Irak) – mit einem Geschenk und wünschten uns Frohe Weihnachten. Sie waren 70 km gefahren, um ihren Freundinnen und Freunden in Kiblitz ein frohes Fest zu wünschen.

Besonders gerne erinnere ich mich an ein Sommerfest im Pfarrgarten – dabei wurden die unterschiedlichsten Speisen aus verschiedenen Ländern serviert, viel geplaudert, gelacht und getanzt. Es gab auch sehr nette Treffen mit den Frauen und Kindern, z.B. am Spielplatz.

8. November 2015 – Die Leute aus dem Ort, die helfen wollen, ein kleines Grüppchen trifft sich in einer Pizzeria. Mein syrischer Flüchtling ist mit dabei und bemerkt: „So viele nette Leute!“ Ich bin glücklich, so viele Gleichgesinnte kennengelernt zu haben. (Bis jetzt, 2021 sind wir eine fest zusammengewachsene Gruppe von Freunden und haben einen Hilfsverein gegründet.) …

Es wird gesagt, dass die Jugendlichen hier keine Familie haben und doch lassen sie uns, die Patinnen und Paten hier einfach zurück! All´ jene, die sich ehrlich bemüht haben aus Kindern vernünftige Jugendliche und gescheite Erwachsene ohne Hass und Hader, ohne Neid und Missgunst, ohne Vorbehalte gegenüber Staaten, Kulturen, Religionen und Rassen zu gescheiten Erwachsenen, die in der Lage sind sich erfolgreich Ihre Existenz hier in Österreich aufzubauen, zu machen! …

Silvia teilt in einer Pause Schnitzelsemmeln aus (die wir im Verborgenen essen …) und sie erzählt, dass die eigentlich für den alljährlichen Staatsfeiertags-Wandertag der Gemeinde gedacht waren. Der Bürgermeister hat das Wandern dieses Jahr kurzerhand abgesagt und die Schnitzel als Dank zu den Helfer*innen an die Grenze geschickt. „Ein bissl gemurrt haben sie schon im Ort“. …

Dennoch, mich irritierten die enthusiastischen Menschen, die an den Bahnhöfen zum Willkommen winkten und die Flüchtlinge mit Geschenken in Empfang nahmen. Denn ich wusste „So sind wir nicht!“ Alle die sich in der Begeisterung aufgehoben fühlenden Flüchtlinge würden noch ganz anderes in diesem Land erleben – und so war es ja leider auch. …