2015 – Bürger*innen erzählen – das sind Ihre Geschichten zur “Flüchtlingskrise”.
Ein lebendiges Archiv der Zivilgesellschaft, eine Sammlung persönlicher Erinnerungen und Erlebnisse von 2015 bis heute,
die auch in Zukunft zu mehr Solidarität und Miteinander ermutigen will.
Ein vielstimmiges öffentliches Wider-Sprechen gegen das eintönige politisch dominierende Narrativ von andauernder Bedrohung.
Erzählen und teilen Sie hier Ihre Geschichten von Hilfe, Begegnungen, Kennenlernen, Sorge, Herausforderungen, Abschieden, Freundschaften.

Weil es einen Unterschied macht, was eine Gesellschaft sich über sich selbst erzählt.
Weil unsere Erinnerungen und Erzählungen der Stoff sind, aus dem wir Zukunft gestalten.

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Nachtschicht im Flüchtlingslager – Fortsetzung in Österreich

Gemeinsam mit Hadi Mohammadi hielt ich nach meiner Rückkehr Workshops in verschiedenen Wiener Schulklassen ab. Im Rahmen des Projekts „Zuflucht – von Afghanistan bis Wien“, einer Kooperation von Kardinal König Haus und mehreren Wiener Schulen, gefördert durch die Stadt Wien, habe ich von meinen Erfahrungen erzählt ...
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Erinnerungen an unsere Flüchtlings-Nachbars-Familie

Am Heiligen Abend 2020 klopfte es gegen 15 Uhr an unsere Haustür. Draußen standen Masar, Ali und Jehnne (unsere ehemaligen Nachbarn, geflohen aus dem Irak) - mit einem Geschenk und wünschten uns Frohe Weihnachten. Sie waren 70 km gefahren, um ihren Freundinnen und Freunden in Kiblitz ein frohes Fest zu wünschen.
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Rückblick auf 2015 und danach

Besonders gerne erinnere ich mich an ein Sommerfest im Pfarrgarten – dabei wurden die unterschiedlichsten Speisen aus verschiedenen Ländern serviert, viel geplaudert, gelacht und getanzt. Es gab auch sehr nette Treffen mit den Frauen und Kindern, z.B. am Spielplatz.
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Erinnerungen an 2015

Wieder würde ich genauso handeln. Erst zuhören, dann urteilen. Lebensentwürfe mussten komplett neu geschrieben werden. Chemie stimmt, Freundschaften entstehen. Offene Arme empfingen verzweifelte Menschen. Medien können unsere Meinung beeinflussen. Erinnerungen, die uns niemand mehr nimmt.
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Transitquartier Graz-Webling

Es ist eine freundliche Atmosphäre, das Wetter ist schön, trotzdem kullern meine Tränen unaufhörlich und ich empfinde die Situation als extrem grausam. Armut ist mir aufgrund einer Beschäftigung in einem der ärmsten Länder der Welt vertraut, damit kann ich umgehen. Aber diese Situation erschüttert mich total und ich kann auch nicht gleich beschreiben, was diese Situation so unerträglich macht. ...
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Die Natur heilt und verbindet

Als 2016 in meiner Deutschgruppe die ersten Flüchtlinge ihre negativen Bescheide bekamen, konnten sie sich nicht mehr konzentrieren, waren ständig müde, angsterfüllt und traurig. So nahmen mein Mann und ich Dawood und Allahyar, zwei Freunde, mit in die romantische Erlaufschlucht, sie genossen es und waren dankbar. Im Winter wanderten wir von Alland nach Heiligenkreuz. Es war eiskalt und der Schneesturm prickelte im Gesicht, aber keiner jammerte, auch das gefiel ihnen.
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Die Verhandlung und der Abschied

Dawood schrieb Gedichte. Über 80 waren es. Er tat sich nicht leicht mit Deutsch, nur drei konnte ich mit ihm gemeinsam übersetzen. Ich fand niemanden, der bereit war und der es konnte, sie ins Deutsche zu übertragen. Aber ich suchte für diese drei Fotos, die dazu passten und gestaltete ein Büchlein für ihn, es war Ansporn für ihn, Deutsch besser zu lernen und er konnte uns so seine Gefühle, seine Gedankenwelt vermitteln und fühlte sich von uns verstanden. ...
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Wie alles angefangen hat

8. November 2015 - Die Leute aus dem Ort, die helfen wollen, ein kleines Grüppchen trifft sich in einer Pizzeria. Mein syrischer Flüchtling ist mit dabei und bemerkt: „So viele nette Leute!“ Ich bin glücklich, so viele Gleichgesinnte kennengelernt zu haben. (Bis jetzt, 2021 sind wir eine fest zusammengewachsene Gruppe von Freunden und haben einen Hilfsverein gegründet.) ...
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Gedanken und Erinnerungen an meinen afghanischen Patensohn Ali*

Es wird gesagt, dass die Jugendlichen hier keine Familie haben und doch lassen sie uns, die Patinnen und Paten hier einfach zurück! All´ jene, die sich ehrlich bemüht haben aus Kindern vernünftige Jugendliche und gescheite Erwachsene ohne Hass und Hader, ohne Neid und Missgunst, ohne Vorbehalte gegenüber Staaten, Kulturen, Religionen und Rassen zu gescheiten Erwachsenen, die in der Lage sind sich erfolgreich Ihre Existenz hier in Österreich aufzubauen, zu machen! ...
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Staatsfeiertag

Silvia teilt in einer Pause Schnitzelsemmeln aus (die wir im Verborgenen essen …) und sie erzählt, dass die eigentlich für den alljährlichen Staatsfeiertags-Wandertag der Gemeinde gedacht waren. Der Bürgermeister hat das Wandern dieses Jahr kurzerhand abgesagt und die Schnitzel als Dank zu den Helfer*innen an die Grenze geschickt. „Ein bissl gemurrt haben sie schon im Ort“. ...
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Nachtschicht im Flüchtlingslager

Jeder Kommentar, der den sofortigen Stopp menschenwürdiger Behandlung fordert, erhält einen stabilen grünen Balken. Kommt hier jemand mit Nächstenliebe wird er/sie sofort mit roten Stempeln abgestraft. Die wenigen, die hier noch dagegensprechen, haben als „Moralaposteln“ keine Chance mehr. Schon oft bin ich auf Kommentare wie diese gestoßen, doch diesmal bin ich persönlich involviert, ...
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2015 – eine Erinnerung

Dennoch, mich irritierten die enthusiastischen Menschen, die an den Bahnhöfen zum Willkommen winkten und die Flüchtlinge mit Geschenken in Empfang nahmen. Denn ich wusste „So sind wir nicht!“ Alle die sich in der Begeisterung aufgehoben fühlenden Flüchtlinge würden noch ganz anderes in diesem Land erleben – und so war es ja leider auch. ...